Kreativität & Angst vor dem Scheitern

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wir sind kreative Wesen. Alle. In der Kindheit kannte unsere Imagination keine Grenzen und auch als Erwachsene erschaffen wir jede Nacht im Traum innere, dynamische Gefühlswelten. Warum haben wir im Alltag oft keinen unbeschwerten Zugang mehr zu diesem Potential?

Dafür gibt es viele mögliche Gründe. Unser Bildungssystem ist eher auf Anpassung und Reproduktion angelegt. Während der Pubertät werden neuronale Verknüpfungen zurückgebaut und nur die behalten und verstärkt, die wir häufig nutzen. Sind wir seltener kreativ, baut sich auch die dafür benötigte cerebrale Infrastrukutur zurück. Dazu kommt: Wir haben keine positive Fehlerkultur – Scheitern wird oft bestraft, sei es monetär oder sozial. Daher haben wir Angst davor, Fehler zu machen. Und verlieren den Mut, Neues auszuprobieren.

Think outside the box wird oft gefordert – aber lässt die Kultur es auch wirklich zu? Wird die Suche nach unkonventionellen Ansätzen – inklusive mancher Sackgasse – tatsächlich immer belohnt? Und haben wir auch die entsprechenden Talente an Bord? Viele Unternehmen suchen in ihren Stellenanzeigen Querdenker – aber wehe, sie kommen tatsächlich. Dann zeigt sich wie viel Innovation die bestehenden Strukturen vertragen.

Wirklich Großes entsteht oft dann, wenn jemand furchtlos die Grenzen des Bekannten hinter sich lässt. Natürlich kann dabei auch wirklich großer Mist raus kommen. Das ist das Risiko. No risk, no fun.

Ein gutes Beispiel dafür ist Hollywood. Jedes Jahr produzieren die großen Studios teure Filme mit bekannten Stars. Doch nicht jeder Kassenmagnet zieht tatsächlich. Einige wenige dieser Filme werden Blockbuster. Andere floppen. Titanic war einer der teuersten Filme aller Zeiten, aber auch einer der erfolgreichsten. Kate Winslet kannten davor nur wenige. Waterworld soff mit ähnlichem Aufwand ab – trotz dem damaligen Superstar Kevin Costner. My Big Fat Greek Wedding kostete weniger als eine Million und spielte mit völlig unbekannten Darstellern das 80fache seiner Herstellungskosten ein. In solch einem Fall spricht man gerne von einem Überraschungserfolg. Als gäbe es große Erfolge, die keine Überraschung und damit planbar sind. Die Wahrheit ist: Es gibt kein wirklich sicheres Rezept. Sonst würden es alle nachkochen.

Wer das Scheitern fürchtet, riskiert nichts. Wer nichts riskiert kann nicht wirklich kreativ sein. Wer nicht kreativ ist, geht ausgetretene Pfade, entwickelt keine Lösungen, macht nur mehr vom Gleichen aber nichts Neues. Wer nichts Neues zu bieten hat ist austauschbar. Wer heute austauschbar ist, ist morgen ersetzlich und bald darauf aus dem Geschäft.

Wie können wir also unsere angeborene Kreativität anzapfen? Schauen wir dazu in unser Gehirn. Um trotz der Vielzahl an Sinneswahrnehmungen die sekündlich auf uns einstürmen steuerungsfähig zu bleiben, blendet unser Hirn alles aus was unwichtig erscheint oder sich als Routine wiederholt. Wir fahren Auto und nehmen es kaum noch wahr wie wir schalten und lenken. Denken wir jedoch „bewusst“ nach, bewerten und sortieren wir auch gleich. Um neuen Ideen Einlass gewähren zu können, brauchen wir – um es mit Aldous Huxley zu sagen – ein Loch im Filter. Wir müssen flüchtige Ideen hereinlassen und den inneren Bewerter und Kritiker stumm schalten. Das Loch im Filter lässt Unorthodoxes durchschlüpfen. Das müssen wir vielleicht erst mal wieder üben. Der Kanal mag ein wenig verstopft sein und muss anfangs durchgepustet werden. Aber wenn es fließt, fließt es.

Wenn Kreativität sich ausdrücken möchte, ist das Medium egal. Ob wir Erfinden, Entwerfen, Schreiben, Malen, Basteln, Musizieren oder Tanzen spielt keine Rolle. Oft fühlen wir uns zu einer bestimmten Ausdrucksart hingezogen weil wir damit bereits Erfahrung haben (aktiv oder rezeptiv). Es ist nicht so entscheidend wie wir uns ausdrücken – sondern dass wir es tun.

Steve Jobs hat den Absolventen der Standford-Universität zugerufen: Stay hungry, stay foolish. Seitdem haben viele darüber spekuliert, was genau er gemeint hat. Für mich bedeutet foolish sein: Spinnen – im positiven Sinne. Vom Weg abkommen um nicht auf der Strecke zu bleiben. Die Vorstellungskraft nutzen. Und die guten Ideen pflücken. Sie liegen oft in der Luft.

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Mit besten Grüßen,

 

Dominik Umberto Schott

Vor seiner Trainer-Karriere war er u.a. Musiker, Schauspieler, Radiomoderator, Werbetexter und TV-Journalist. Kreativität & Veränderung sind der rote Faden in seiner bunten Biografie.

 

 

 

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